• Die KINDERGARTEN Elfe

Märchen erzählen leicht gemacht!

Aktualisiert: Nov 16

5 Tipps, wie du beim Märchen erzählen alle in den Bann ziehst

Letzte Woche habe ich dir verraten, wie ich das Anfangsritual einer Märchenstunde und den Einstieg gestalte.

In diesem Artikel dreht sich alles um den Hauptteil der Märchenstunde - dem Erzählen des Märchens.


Außerdem verrate ich dir auch, wie ich am liebsten den Ausklang gestalte:

mit einem gemeinsamen Legebild, das die Kinder mit den unterschiedlichsten Legematerialien gestalten können.


Und ganz zum Schluss darf natürlich das Abschlussritual auch nicht fehlen!

Sei also gespannt...


Noch viel mehr zum Thema Märchen findest du hier!

Märchen für Erwachsene

In früheren Zeiten, als der Großteil der Bevölkerung nicht lesen konnte, richteten sich die Märchen an Erwachsene. Durch sie fühlten sie sich persönlich angesprochen und die im Märchen geschilderte Not, die ausgefochtenen Kämpfe und das siegreiche Ende eröffneten den ZuhörerInnen neue Möglichkeiten und Kräfte, um ihre eigenen Probleme in Angriff zu nehmen.


Märchen leben von ihren tiefgreifenden Bildern, Symbolen und ihren ganz charakteristischen Gestalten. Aus diesem Grund sind die überlieferten Märchen keine reinen Kindermärchen.

Mein Korb mit Legematerial für den Ausklang

Und welche Märchen sollen nun für das Erzählen im Kindergarten ausgewählt werden?

Es ist nicht entscheidend, welche Märchen du den Kindern auswählst, sondern WIE du die Märchen erzählst. Deshalb hab ich hier ein paar Tipps für dich, die das A und O beim Märchen erzählen sind:


Wie du ja weißt, befinden sich Kinder gerade im Alter zwischen vier und fünf Jahren in der Phase des magischen Denkens. Vermutlich sind deshalb Märchen in diesem Alter besonders beliebt.


Du benötigst keine große Auswahl an Märchen, denn Kinder brauchen und lieben die Wiederholung. Ich selbst kann mich noch an meine Kindheit erinnern, als ich monatelang die selbe Märchenkasette mit „Schneeweißchen und Rosenrot“ auf der einen Seite und „Dornröschen“ auf der anderen Seite angehört habe- und niemals wurde mir dabei langweilig!


Die Wiederholung eines Märchens ist besonders wichtig, denn sie hilft den Kindern Sicherheit zu erlangen. Auf diese Weise wird das scheinbar grausame Märchen immer vertrauter und die Anspannung kann sich lösen, da das Kind genau weiß- am Ende wird alles wieder gut, denn die Geißenmutter rettet alle kleinen Geißlein!


Das Wissen und immer wieder hören, wie das Problem am Ende aufgelöst wird, vermittelt den Kindern Sicherheit und Ruhe. Die Symbole, die in jedem Märchen stecken (und eigentlich für die Erwachsenen gedacht sind) brauchen dabei nicht von dir erklärt werden. Kinder brauchen keine großen Erklärungen dazu, was psychologisch dahinter steckt. Wenn du allerdings anhand der Reaktionen der Kinder merkst, dass eine bestimmte Stelle im Märchen bei den Kindern Fragen aufwirft, kannst du auch näher darauf eingehen.


Ansonsten erkläre gar nicht zu viel, denn Kinder erklären sich Märchen auf ihre ganz eigenen Art und Weise- durch ihre eigenen magischen Deutungen. Und genau diese Deutungen und Überlegungen sind für sie in diesem Moment die Richtigen!


(Für uns Erwachsene ist das alles oft viel schwerer zu verstehen, da wir das Denken in Bildern und Symbolen leider schon ziemlich verlernt haben. Deshalb neigen wir dazu, den Kindern alles im Märchen erklären zu wollen.)



Nun aber zum eigentlichen „Märchen erzählen"

Ich hatte das große Glück, während meiner Ausbildung die weltbeste Märchenerzählerin als Lehrerin zu haben! Sie schaffte es mühelos, einem Haufen spätpubertierenden Schülerinnen beim Erzählen in ihren Bann zu ziehen. Wir waren immer wieder fasziniert, wie sehr sie die Märchen nur durch ihr Erzählen zum Leben erweckte. Ich hab mir zum Glück so vieles von ihr für meine Arbeit im Kindergarten abschauen können.


5 essentielle Tipps, damit auch deine Märchenstunde alle in den Bann zieht

Oft wird während der Ausbildung zur ElementarpädagogIn bzw. ErzieherIn das Thema Märchen nur kurz als Literaturgattung vorgestellt. Nur selten wird vermittelt, wie Märchen erzählt werden sollen. Deshalb „erzählen“ viele ein Märchen, indem sie ein Märchenbuch zur Hand nehmen und daraus vorlesen. Durch das Vorlesen kann allerdings niemals so eine strake Verbindung zu den Zuhörern aufgebaut werden, wie beim Erzählen.



Und deshalb hier ist mein erster und gleichzeitig wichtigster Tipp:


1. Erzähle ein Märchen, anstatt es vorzulesen

Dazu ist etwas Vorbereitung notwendig, die sich aber absolut auszahlt! Lies das Märchen vorab genau durch und achte dabei auf die Dynamik und die Nuancen in der Sprache. Mir fällt es leichter, das Märchen ein- oder zweimal laut zu lesen, denn dabei fallen mir bestimmte Textstellen viel besser auf und ich kann das Märchen verinnerlichen.


Wenn du den Kindern das Märchen dann erzählst, wähle deine eigenen Worte. Achte aber darauf, dass du in der Sprache des Märchens bleibst. Du brauchst auch nicht für alles eine Erklärung zu geben oder in die heutige Sprache zu übersetzten, denn der Charakter des Märchens soll erhalten bleiben.


2. Freu dich selbst auf das Erzählen

Es klingt banal, bewirkt aber Wunder! Zeige den Kindern, wie sehr du dich auf die folgende Märchenstunde freust. Diese Freude überträgt sich automatisch auf die Kinder und du hast von Beginn an gespannte ZuhörerInnen.


3. Blickkontakt

Der Blickkontakt ist unerlässlich beim Märchen erzählen. Durch ihn erhälst du Rückmeldung und du kannst dich voll und ganz auf die Kinder einstellen. Du merkst sofort, wann du eine Pause einlegen muss, weil die Kinder z.B. eine Erklärung brauchen oder eine Frage haben. Blickkontakt ist außerdem Voraussetzung für Tipp Nr. 4...


4. Lebendiges Erzählen

Durch das freie Erzählen kannst du zu jedem Zeitpunkt die Kinder beobachten und entsprechend reagieren. Du kannst allein durch dein Erzählen für Anspannung und Entspannung sorgen. Deine Werkzeuge sind deine Stimme, deine Mimik und Gestik (brauchst ja kein Buch in der Hand halten).

Trau dich, eine lebhafte ErzählerIn zu sein!


5. Befasse dich mit den Bildern im Märchen

Es lohnt sich auch, sich mal mit den Bildern im Märchen zu befassen. Ich hatte dabei wirklich schon einige Aha-Momente, als mir bewusst wurde, welche Symbolik in den einzelnen Märchen versteckt sind. Sieh das dann aber eher als Bonus für dich selbst, den Kindern brauchst du die Deutungen nicht erklären.


Schnell ein Märchen für Zwischendurch?

Märchen sind keine „Lückenfüller“ für zwischendurch, sondern brauchen genügend Zeit. Verbinde das Märchen immer mit einem Ritual bzw. einem schönen Einstieg und Ausklang, sodass es auch für die Kinder etwas ganz besonders ist.


Wenn die Kinder ein bestimmtes Märchen schon mehrmals gehört haben, kannst du es auch mal zwischendurch erzählen. Die Kinder wissen dann schon über die Handlung Bescheid und wie sich am Ende alles zum Guten wendet.


Gestalte gemeinsam mit den Kindern einen wunderschönen Ausklang der Märchenstunde

Ich liebe es, mit den Kindern zum Abschluss ein Märchenbild zu legen. Entweder legen wir alle gemeinsam ein großes Mittebild bzw. ein Mandala oder ich lade die Kinder dazu ein, dass jedes Kind für sich ein Bild legt.


Dazu braucht es meist nur wenig Anleitung meinerseits, da sich die Kinder sehr schnell in ihre Legearbeiten vertiefen.


Voraussetzung ist dabei natürlich, dass du genügend Legematerial bereit stellen kannst. Es gibt fix und fertig bestückte Legekörbe (teuer) zu kaufen, oder:


Du stellst dir dein Legematerial ganz einfach und günstig selbst zusammen!


Was du alles brauchst

Schöne Behälter, Körbe oder Schachteln um die unterschiedlichen Materialien sortiert bereitstellen zu können

Womit hab ich meinen Legekorb bestückt?

Ich mach dazu gerne einen Streifzug durch die Natur sowie durch Bastelabteilungen diverser Läden ;)

Meine Sammlung an Legematerialien beinhaltet:

  • Federn

  • Geflochtene Dekokugeln aus Weidenholz

  • Bunte Filzbälle

  • Zurecht geschnittene Schnüre aus einem Knäuel Filzwolle (jede Schnur ist ca. 30cm lang)

  • Dekoblümchen aus Stoff

  • Gardinenringe aus Holz

  • Filzblüten

  • Dekoherzen aus Stoff

  • Kordeln für Geschenksverpackungen, die ich auf eine Länge von ca. 75cm zugeschnitten habe

  • Ausgeschnittenen Kreise aus Filz (ø ca. 8cm)

  • Dreiecke und Rechtecke (Resteverwertung aus dickem Filz)

  • "Goldtaler" aus Kaffeekapseln

  • Quadratische Filzdeckchen (Der Filz ist in DinA4 erhältlich. Ich hab daraus ein großes Quadrat und aus dem Rest je 2 Kreise ausgeschnitten)

  • Unterschiedliche Zapfen können mit grünem Buntlack besprüht werden, um Bäume zu erhalten

  • Große Kreise aus Stoffresten für Mittebilder (ø ca. 100cm). Perfekt eigenen sich unifarbene Stoffe.

  • Chiffontücher in den unterschiedlichen Farben.

Leider nicht auf dem Bild, weil ich ganz darauf vergessen hab:

  • Steine

  • Goldklumpen (mit Gold lackierte Steine)

  • Kastanien

  • Holzstäbchen

Noch ein kleiner Tipp...

Die Kinder finden ihre gelegten Bilder selbst oft so wundervoll, dass wir sie am Ende immer mit den Augen fotografieren und im Herzerl abspeichern. (Dazu halten die Kinder ihre imaginäre Kamera vor ihre Augen und drücken ab, danach legen sie ihre Hände über ihr Herz.)

Die Märchenstunde mit einem Ritual abschließen

Die Kinder sind zu Beginn der Märchenstunde mit Hilfe eines Ritual in das Märchenland gekommen (hier geht's zum Anfangsritual). Zum Abschluss wird dieses Ritual nun in umgekehrter Reihenfolge wiederholt.


Die Hintergrundmusik wird wieder angemacht und nacheinander verlassen die Kinder wieder durch das Tor das Märchenland. Bevor ein jedes Kind das Tor durchschreitet, wird folgender Leim gesprochen:


„Breite deine Arme aus

und drehe dich im Kreis,

jetzt gehst du aus dem Märchenland,

schleiche raus, ganz leis’.“

(Gabriele Kastner)


Das Kind tritt durch das Märchentor, geht den Pfad entlang und kommt auf diese Weise wieder zurück aus dem Märchenland.


Eine wunderschöne Märchenstunde wünscht dir

Die Kindergarten Elfe


PS: Falls du dich fragst, wie die Berge beim Schneewittchen-Bild entstanden sind...


Fasse ein Baumwolltuch in der Mitte und nimm es hoch und stelle es vorsichtig ab. Baumwollstoff ist etwas stabiler und bleibt deshalb recht gut stehen. Damit es noch schöner ausschaut, hat meine Tochter zusätzlich Chiffontücher drüber gelegt.


Wenn du mehr zum Thema Märchen wissen willst, dann klicke hier und du gelangst zur Themenmappe "Frau Holle".


Und jede Menge Inspirationen zu "Hänsel und Gretel", "Hans im Glück", "Dornröschen" und "Schneewittchen" findest du hier.


Nächste Woche geht es hier mit dem Thema Märchen weiter. Dann gibt es nämlich ein ganz bestimmtes Märchen, dass ich für dich komplett ausgearbeitet habe.